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Viele können sich wahrscheinlich nicht vorstellen, wie das Himmelreich aussieht. Nun, ich will es euch erklären.
Wenn man mit einem Flugzeug fliegt, kommt man irgendwann zu einer dicken Wolkendecke. Und wenn man diese Wolkendecke durchbricht, kommt eine zweite. Insgesamt sind das sieben Wolkendecken, und über der siebenten ist das Wolkenreich. Es ist unendlich groß, aber das Zentrum bildet ein Palast aus weißen Wolken, verziert mit Tautropfen, die im Sonnenlicht glänzen.

In diesem unvorstellbar schönen Palast lebt Gott, der Herrscher über das Himmelreich. Er ist ganz anders, als ihr ihn euch vorstellt. Nicht ein dominanter Kriegsherr, vor dem das ganze Reich erzittert. Nein, es ist ein freundlicher, alter Mann. Er strahlt pure Güte und Geborgenheit aus. Seine langen Kleider sind schneeweiß und sein Bart reicht fast bis zu seinen Füßen. Gott weiß alles, sieht alles, hört alles und kann alles. Aber er nützt diese Fähigkeiten nicht aus. Keinem geschieht Unrecht, außer man verstößt gegen Gottes Grundregeln. Diese lauten: Gehorsamkeit und Ehrlichkeit. Verstößt jemand gegen diese Regeln, so wird er verstoßen. Verstoßen ins Reich der Finsternis, ins Reich des Verderbens. Dort wo die Schatten drohen, wo der ewige, schwarze Fürst des Todes herrscht. Jeder kennt den Namen des Bösen und alleine, wenn man diesen Namen ausspricht bedeutet es Sünde.

Dieser Fürst der Finsternis, ihr werdet es nicht glauben, war einst ein Engel. Gottes liebster Engel sogar. Aber eines Tages, Gott wird es so gewollt haben, wiedersetzte sich dieser eine Engel. Es war die Eifersucht die ihn dazu trieb Gott zu wiedersprechen. Er wollte nicht immer der Untergebene sein. Er wollte Macht. Gott stellte ihn vor die Wahl: ewige Untergebenheit im Weißen Reich oder ewige Verdammtheit im Schwarzen Reich, jenseits von Gut und Böse. Dort würde er die Seelen aller Sünder bekommen und hätte die Herrschaft über sie.

Der Engel entschied sich, ohne lange zu Überlegen, für die Macht. Sofort verschwand der weiße Lichtschimmer um seinen Körper, an den man Engel erkannte. Sein Gewand nahm eine schwarze Farbe an und in seinen Augen funkelte purer Hass. Und Gott nannte ihn Satan.

Nun aber genug. Ihr wisst nun Bescheid über das Gute und das Böse, über das Reich der Schatten und über das Himmelsreich. Kommen wir zur eigentlichen Geschichte.

Auf einer Wolke hoch oben im Himmelreich lebten einmal zwei Englein. Sie hießen Maxi und Mariechen. Seit ihrer Geburt an waren die zwei unzertrennbar und wollten nie mit anderen Engelskinder spielen. Es existierte nur der eine für den anderen. Mariechen war ein artiges Kind, frei von allen Sorgen, der Sonnenschein ihrer Eltern. Maxi hingegen, war immer schon ein bisschen lebhafter und frecher.

Als die beiden älter wurden, und nun bereit dafür waren eine Aufgabe im Sinne des Guten zu übernehmen, gab Gott ihnen die wertvolle Gabe als Schutzengel. Mariechen, und auch Maxi übernahmen diese Aufgabe gewissenhaft.

Aber dann kam DER Tag, der Tag der den beiden immer in Erinnerung bleiben sollte. Auf der Erde schrieb man den 09.09.06. Für alle die mit dem Schwarzen nicht so vertraut sind: Dreht man die beiden Neuner um, ergibt es die Zahl 666, die Zahl des Bösen.

Die zwei Engelchen spielten mit Murmeln. Normalerweise sind Engelsmurmeln schneeweiß, aber aufeinmal erblickte Maxi drei rabenschwarze Murmeln. Er wollte sie ergreifen, doch Mariechen zog ihn zurück. „Du darfst diese Murmeln nicht berühren. Sie sind schwarz. Schwarz kommt nicht von Vater Gott, schwarz kommt vom Fürst des Todes!  Wir müssen seine Fallen meiden. Gott hat uns verboten Sachen von dem Bösen auch nur anzugreifen!“, rief sie. Maxi war aber so fasziniert von diesen Murmeln, die, wie das schlaue Mariechen ganz richtig erkannt hatte, eine Versuchung des Bösen waren, und so hörte er die Warnung seiner Freundin nicht. Er vergaß alles um sich. Auch die Aufgabe als Schutzengel, und unten auf der Erde stieß seinem Schützling etwas Schreckliches zu.

Er griff nach den schwarzen Murmeln und umschloss sie mit seinen kleinen Engelshänden. Sie waren kalt. Eiskalt. Maxi bekam Angst. Auf einmal wurde es dunkel im, ansonst so hellen, Königreich Gottes. Blitze zuckten vom Himmel, und der Donner grollte. Aus dem Nichts tauchte plötzlich der allmächtige Vater auf. Es schien Maxi, als wäre er größer als sonst. Mariechen zitterte am ganzen Leibe. „Sprich, mein Sohn!“, sagte Gott, „hast du gegen die Gebote des Guten wiederstoßen. Warst du ungehorsam?“ Maxi sah in Gottes Augen. Er erkannte die gutherzigen Augen und wollte seinen Frevel eingestehen, aber er konnte nicht. „Nein!“, hörte er sich sagen. Die Augen des Alten wurden traurig. „Nun dann“, sprach Gott, „dann fahr hinab, hinab ins Verderben!“ Mariechen schrie auf. Ihr Maxi, ihr über alles geliebter Maxi wurde ins ewige Verdammnis geschickt. „Nimm dies!“ In ihrer Verzweiflung riss sie sich ihr Amulett vom Halse. Das Amulett der Unsterblichkeit. Maxi besaß das selbe, aber es schwand von Augenblick zu Augenblick. Er ergriff es, noch während bei ihm die selbe Verwandlung eintrat, wie einst vor unzählbaren Jahren, beim Fürst der Finsternis. Der weiße Lichtschimmer um seinen Körper verblasste. Sein Gewand nahm eine schwarze Farbe an und in seinen Augen funkelte purer Hass. Und Gott nannte ihn Klein Satan.

Im nächstem Atemzug war Maxi schon verschwunden. Mariechen weinte bittere Tränen. Gott nahm sie liebevoll in den Arm und tröstete sie mit seinen gutherzigen Worten.
Das Englein war wie verwandelt. Es schien so, als hätte sie ihr Lachen verloren. Niemand konnte je ein Lächeln auf Mariechens Lippen erblicken.

Gott war sehr besorgt um seinen kleinen Schützling. Er bemühte sich, ihr alles Recht zu machen. Aber auch er konnte niemals auch nur ein winziges Lächeln von ihr erhaschen.
Doch ihr wisst ja, Gott weiß alles, sieht alles, hört alles und kann alles. Und so wusste er, dass Maxi und Mariechen eines Tages wieder vereint sein würden. In der Hoffnung, dass sie ihre Chance nützen würde, verlieh er ihr, seine göttlichen, unendlichen Fähigkeiten.

Die anderen Engel waren neidisch auf Mariechen. Aber Gott nahm sie in Schutz. Sie war nun DER Engel und keiner durfte ihre Fähigkeiten, und geschweige denn sie selbst, begehren.
Doch auch ihr Allwissen und ihre Kraft konnten Mariechen nicht zum Lachen bringen. Jede Nacht wurde sie von bösen Albträumen geplagt. Sie spürte jeden einzelnen Schmerz, den Maxi im Reich der Schatten ertragen musste. Sie spürte wie seine Kraft allmählich schwand. Wie seine, ansonst blütenweiße, Seele langsam schwärzer und schwärzer wurde. Was sie nicht wusste war, dass ihn nur noch ihre Liebe am Leben hielt.

Eines Tages fasste Mariechen den Entschluss, Maxi aus seinen Qualen zu erlösen. Sie verabschiedete sich von Gott, holte sich seinen Segen, und machte sich auf den Weg hinab in das schwarze Reich des Bösen.

An der Höllenpforte angelangt, verließ sie der Mut. Nichtsdestotrotz ergriff sie den schweren, eisernen Ring, und klopfte an. Knarrend öffnete sich die Tür. Nach Schwefel stinkender Rauch schoss ihr entgegen. Es wurde heißer und heißer. Flammen züngelten am Boden.
Mariechen schritt hinein und hinter ihr schloss sich das mächtige Tor.

Und schon stand er vor ihr. Der Fürst der Finsternis. Er war noch furchteinflößender und schrecklicher als sie sich je erträumt hatte. Das Engelskind schluckte.
„Was willst du, weißer Engel“, sprach der Böse mit donnernder Stimme. „Du weißt es, oh Herr der Finsternis!“, erwiderte Mariechen.

Sie blickte in seine Augen. Sie funkelten voller Hass. Schwarzen Hass. Sie hielt den Blick. Standhaft. In diesem Moment erfuhr Mariechen keine Angst, keine Abneigung, geschweige denn Hass. (Mal davon abgesehnen, dass Engel gar nicht hassen können.) Nein, sie verspürte Verzückung. In den Augen des Bösen verbarg sich Angst. Er versteckte sich hinter seiner schwarzen Fassade. Aber tief in ihm, war er durch und durch gut.

Mariechen ergriff seine Hand. Sie war kalt, aber in den Händen des Engel wurde sie immer und immer wärmer. Mariechen führte die Hand zu ihrem Mund und küsste sie. Und in Satans kaltem Herz erfolgte eine unglaubliche Verwandlung. Ein Zittern verlief durch seinen Körper. Er nahm plötzlich die längst vergessenen Flügel wahr und der weiße Schimmer kehrte zurück. Der schwarze Bann war gebrochen.

Der einstige Fürst der Finsternis fiel zu Boden und weinte. Er weinte denn ganzen Hass aus sich, den er all die Jahre lang ertragen musste. Mariechen strich ihm übers Haar. „Wo ist er?“, fragte sie leise.

Plötzlich spürte sie eine unsichtbare Kraft, einen Drang sich umzudrehen. Sie folgte ihm und blickte zurück. Licht strahlte ihr entgegen und in diesem Licht stand Maxi.
Mariechen erhob sich und ging einen Schritt auf ihn zu. Sie zögerte. Er zögerte. Sie bemerkte die Veränderung an ihm. Seine Seele. Er hatte zu viel Leid erfahren. Mariechen streckte ihm die Hand entgegen. „Komm!“

Zögernd ergriff er ihre Hand. Nun durchfuhr auch ihn diese Zittern. Seine Augen glänzten und sie fielen sich um den Hals.
„Alles wird gut!“, sagte Maxi. „Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben, dich eines Tages zurück zu holen.“, seufze Mariechen. Maxi blickte in ihre Augen. „Warum? Warum hast du all das getan? Ich hätte ewige Verdammnis im Reich des Verderbens verdient!“

„Die Stärke eines Gefühles, erkennt man an den Opfern, die man bereit ist dafür zu bringen.“ sagte Mariechen und blickte ihn liebevoll an. Maxi strich ihr übers Haar und küsste sie zärtlich.

Und wer genau hinsah, konnte das verlorene Lächeln auf Mariechens Gesicht erkennen.
 
 
 

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2. Dezember 06
(c) Mary

Anmerkung: Man muss nicht alles verstehen.. hab in dieser Geschichte meine damalige Beziehung verarbeitet.